Baoting

Baoting

Redaktion von Travel to Hainan

Aktualisiert: 2026-08-16

Baoting Reiseführer: Tropischer Regenwald, Li- und Miao-Kultur und ein Huhn, das nach Betelnussblüten schmeckt

Wir wussten vor unserer Reise nur, dass Baoting irgendwo im Süden Hainans liegen sollte – ein Name, der in keinem der üblichen Reiseführer groß auftauchte. Doch genau das machte uns neugierig. Also mieteten wir ein Auto in Sanya, fuhren gut eine Stunde ins Inland hinein, und plötzlich wurde die Luft feuchter, die Berge grüner, und die Straße schlängelte sich durch eine Landschaft, die sich anfühlte wie ein gut gehütetes Geheimnis. Baoting ist kein Ort, den man zufällig findet. Man muss ihn wollen. Und genau dafür belohnt er einen.

Der offizielle Name des Ortes lautet übrigens „Autonomer Kreis Baoting der Li und Miao" – und das ist kein bürokratisches Beiwerk, sondern der Schlüssel zu allem, was diesen Ort besonders macht. Die Li- und Miao-Kultur ist hier nicht Museumsfolklore, sondern gelebter Alltag. Im 槟榔谷 (Bīngláng Gǔ), dem Binlang-Tal, begegneten wir Weberinnen, die mit uralten Mustern arbeiteten, während nebenan ein junger Mann auf einem Wasserbüffel vorbeiritt. Und im 呀诺达 (Yān nuò dá), dem Yanoda-Tropenregenwald, hingen wir in Seilbahnen über Baumkronen, die so dicht waren, dass die Sonne nur als grünliches Glitzern durchkam. Wer hier wandert, sollte feste Schuhe tragen – und sich darauf einstellen, dass die Luftfeuchtigkeit die Haare in Sekunden lockt. Ein Detail, das uns keiner verraten hatte: Am Eingang von Yanoda bekommt man einen kostenlosen Regenponcho, auch bei strahlendem Sonnenschein. Die Einheimischen nicken nur wissend, wenn man fragt, warum. Wir haben es nach zehn Minuten verstanden – der Regenwald duscht seine Gäste.

Doch Baoting wäre nicht Baoting ohne sein kulinarisches Herzstück: das 槟榔花鸡 (Bīngláng Huā Jī), das Betelnussblüten-Huhn. Wir waren zuerst skeptisch – Betelnuss kennen die meisten ja als kautabakartige Droge, nicht als Zutat. Aber dann saßen wir in einem kleinen Restaurant, in dem nur Einheimische aßen (ein gutes Zeichen, immer), und bestellten das berühmte Gericht. Das Huhn wird mit den getrockneten, duftenden Blüten der Betelnusspalme geschmort. Das Fleisch war zart, die Haut leicht klebrig-süß, und die Blüten gaben eine erdige, leicht blumige Note ab, die wir so noch nie geschmeckt hatten. Dazu reichte man eine Dip-Sauce aus Limette, Chili und Salz – wir haben den Teller bis auf den letzten Fetzen leergefegt. Die Kosten pro Person lagen bei etwa 60 bis 120 Yuan, je nachdem, wie viele Gerichte man bestellt – und man sollte unbedingt auch die Rambutan probieren, die hier in der Saison an den Straßenständen verkauft werden. Sie schmecken hier anders als überall sonst: süßer, saftiger, fast wie ein Dessert von der Natur selbst.

Praxistipp: Die beste Reisezeit für Baoting ist tatsächlich das ganze Jahr über – das Klima ist tropisch, aber die Regenzeit zwischen Mai und Oktober bringt oft kurze, heftige Schauer, die den Dschungel besonders lebendig machen. Wer es trockener mag, kommt von November bis April. Unser wichtigster Ratschlag: Plant mindestens zwei volle Tage ein. Einen Tag für Yanoda (am besten morgens, wenn die Nebelwolken noch zwischen den Bäumen hängen) und einen Tag für das Binlang-Tal. Und nehmt Insektenschutzmittel mit – die Mücken hier sind klein, aber hartnäckig. Was wir nicht klären konnten: Ob die Betelnussblüten-Hühner wirklich nur mit Betelnussblüten gefüttert werden oder ob es eine Marketing-Geschichte ist. Die Einheimischen lächeln bei dieser Frage nur geheimnisvoll. Wir lassen das an dieser Stelle als ungeklärt stehen. *(Hinweis: Details zur Haltungsweise konnten wir nicht verifizieren.)*

Nächster Schritt: Wenn ihr Baoting hinter euch habt, solltet ihr unbedingt die Küstenstadt Sanya ansteuern – aber nicht direkt. Fahrt stattdessen die alte Bergstraße (G224) Richtung Süden, die kurvig und atemberaubend schön ist. Unterwegs gibt es Aussichtspunkte, an denen ihr über die Regenwaldkronen blicken könnt, und kleine Teestände, an denen ihr frischen Pandan-Saft probieren solltet. Sanya ist laut, heiß und voller Resorts – Baoting ist das genaue Gegenteil. Genießt die Stille, solange ihr sie habt. Und wenn ihr zurückkommt, erzählt allen, dass der wahre Schatz Hainans nicht am Strand liegt, sondern im Dschungel.

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